Herbert Lackner: 1945. Schwerer Start in eine neue Zeit Sa, 29.03.2025
Schon wieder ein Buch über Krieg und Kriegsende? Und das nach achtzig Jahren? Angesichts der vielen Kriege in verschiedenen Ländern heutzutage muss vielleicht eigens genannt werden, dass es um den Zweiten Weltkrieg und sein Ende in Wien, Ost-Österreich und Österreich geht.... Schon wieder ein Buch über diese Thematik von Herbert Lackner? Der bestens bekannte Spitzenjournalist (geb. in Wien i. J. 1950) und Autor besonders zeitgeschichtlicher Aufsätze (in Profil und ZEIT) und Bücher studierte Politikwissenschaft und Publizistik. Dr. Herbert Lackner war Chefredakteur-Stellvertreter der (1991 eingestellten) Arbeiter Zeitung (der er in diesem Buch gelegentlich elegisches Gedenken widmet), danach war er lange Jahre (1992-2015) Chefredakteur von Profil; hier veröffentlicht er bis in die Gegenwart. Nicht zu übersehen ist seine zeitweilige Tätogkeit im Pressedienst der SPÖ-Zentrale. Gewürdigt wurde sein Werk u. a. durch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Das Buch erweist den Fachmann: eine Seite Literaturverzeichnis, eine Seite Bildnachweis und ein gründliches mehrseitiges Personenregister. Dessen Studium allein zeigt schon inhaltliche Schwerpunkte. Am zahlreichsten ist - unvermeidbarerweise - Hitler genannt, aber auch die zentralen österreichischen Politiker Karl Renner, dann Leopold Figl und Engelbert Dollfuß. Nur zur Entlastung des Rezensenten sei hingewiesen auf fehlende Nennungen wie Anne Frank und Baronin Skrbensky, ohne Hinweis auf dieselbe Person findet man Miller, Chaim neben Müller, Alfred. Und Nowaja Semlja ist keine arktische Halbinsel, sondern ein arktischer Archipel. Die schrecklichen Geschehnisse in der letzten Phase des Krieges und zu Beginn der Nachkriegszeit sind oft schon beschrieben worden - ebenso Situationen, die zum Schmunzeln einladen (wie die Befragung von Renner und Figl durch Spezialisten (?) der US-Armee). Das Buch zeichnet sich aus durch einen aufgelockerten Berichtstil, der vor allem dadurch entsteht, dass der Autor seine Eltern in seinen Worten sprechen läßt, auch drucktechnisch gekennzeichnet durch Berichte seiner Mutter aus deren Tagebuch (über ca. 22 Seiten des Buches), aber auch von seinem Vater (ca. 8 Seiten des Buches). Weiter ist hilfreich die seitenlange Skizzierung beispielsweise des deutschen bzw. europäischen Kulturlebens im Exil ( 148-150) oder auch eine Kurzdarstellung von Marlene Dietrich (188-191).

"Ich wünsche viel Gewinn bei der Lektüre" schreibt der Autor zum Abschluß seines Vorworts. In der Tat, dieses persönliche Buch ist mit großem Gewinn zu lesen - und sei zur Lektüre empfohlen.

Ergänzend sei noch auf den Artikel des Autors in profil 56. Jg., Nr. 11 vom 15.3.2025, S. 32-33 verwiesen: 1945 - als sich Österreich neu erfand. Vor 80 Jahren wurde angelegt, was das Land bis heute ausmacht - im Guten wie im Fragwürdigen.