Schon wieder ein Buch über Krieg und Kriegsende? Und das nach achtzig Jahren? Angesichts der vielen Kriege
in verschiedenen Ländern heutzutage muss vielleicht eigens genannt werden, dass es um den Zweiten Weltkrieg
und sein Ende in Wien, Ost-Österreich und Österreich geht....
Schon wieder ein Buch über diese Thematik von Herbert Lackner? Der bestens bekannte Spitzenjournalist (geb.
in Wien i. J. 1950) und Autor besonders zeitgeschichtlicher Aufsätze (in Profil und ZEIT) und Bücher studierte
Politikwissenschaft und Publizistik. Dr. Herbert Lackner war Chefredakteur-Stellvertreter der (1991 eingestellten)
Arbeiter Zeitung (der er in diesem Buch gelegentlich elegisches Gedenken widmet), danach war er lange Jahre
(1992-2015) Chefredakteur von Profil; hier veröffentlicht er bis in die Gegenwart. Nicht zu übersehen ist seine
zeitweilige Tätogkeit im Pressedienst der SPÖ-Zentrale.
Gewürdigt wurde sein Werk u. a. durch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
Das Buch erweist den Fachmann: eine Seite Literaturverzeichnis, eine Seite Bildnachweis und ein gründliches
mehrseitiges Personenregister. Dessen Studium allein zeigt schon inhaltliche Schwerpunkte. Am zahlreichsten
ist - unvermeidbarerweise - Hitler genannt, aber auch die zentralen österreichischen Politiker Karl Renner, dann
Leopold Figl und Engelbert Dollfuß. Nur zur Entlastung des Rezensenten sei hingewiesen auf fehlende Nennungen
wie Anne Frank und Baronin Skrbensky, ohne Hinweis auf dieselbe Person findet man Miller, Chaim neben Müller,
Alfred. Und Nowaja Semlja ist keine arktische Halbinsel, sondern ein arktischer Archipel.
Die schrecklichen Geschehnisse in der letzten Phase des Krieges und zu Beginn der Nachkriegszeit sind oft schon
beschrieben worden - ebenso Situationen, die zum Schmunzeln einladen (wie die Befragung von Renner und Figl
durch Spezialisten (?) der US-Armee).
Das Buch zeichnet sich aus durch einen aufgelockerten Berichtstil, der vor allem dadurch entsteht, dass der Autor
seine Eltern in seinen Worten sprechen läßt, auch drucktechnisch gekennzeichnet durch Berichte seiner Mutter
aus deren Tagebuch (über ca. 22 Seiten des Buches), aber auch von seinem Vater (ca. 8 Seiten des Buches).
Weiter ist hilfreich die seitenlange Skizzierung beispielsweise des deutschen bzw. europäischen Kulturlebens im Exil
( 148-150) oder auch eine Kurzdarstellung von Marlene Dietrich (188-191).
"Ich wünsche viel Gewinn bei der Lektüre" schreibt der Autor zum Abschluß seines Vorworts. In der Tat, dieses
persönliche Buch ist mit großem Gewinn zu lesen - und sei zur Lektüre empfohlen.
Ergänzend sei noch auf den Artikel des Autors in profil 56. Jg., Nr. 11 vom 15.3.2025, S. 32-33 verwiesen:
1945 - als sich Österreich neu erfand. Vor 80 Jahren wurde angelegt, was das Land bis heute ausmacht -
im Guten wie im Fragwürdigen.