Der langsame Blick der DIAGONALE Mo, 31.03.2025
Mit ruhigen sehenden Augen schlendert der in Salzburg lebende Autor Karl-Markus Gauß einige Monate im Jahr über den Balkan auf der Suche nach vergessenen Orten, vergessenen Ethnien und Sprachen in einer vergessenen Vergangenheit. Es ist ein Schlendern durch eine unendliche Vielfalt an Geschehnissen die ganz Europa geprägt haben. Im Dokumentarfilm "Schlendern ist mein Metier" AT2025 wird er vom Regisseur Johannes Holzhausen begleitet, der auf dieser Reise auch zu einem Freund wird. Aber eigentlich ist es kein Suchen, sondern ein Dahinschlendern und dabei werden Dinge entdeckt.

Manchmal zufällig im Vorbeigehen und manchmal doch etwas suchend. Am zugewachsenen Friedhof von Futog in Serbien entdeckt er die Gräber seiner Vorfahren. Danach wird im Kirchenarchiv bewusst nach dem zufällig Gefundenen weitergeforscht. Johannes Holzhausen (Navigator Film) blickt dem Protagonisten und seiner Frau dabei über die Schulter und dokumentiert alle Details. Er begleitet Gauß mit einer ruhigen, beobachtenden Kamera, die jedoch nie ins Voyeuristische abgleitet. Diese Reise nach einem Herzinfarkt des Protagonisten, welcher Karl-Markus Gauss plötzlich die Endlichkeit des Seins bewusst macht, führt das Team an die Grenzen Europas – geographisch und historisch, in den Banat, in die Gotschee, in die Wojwodina, in die einstmals deutschsprachigen Gebiete der Monarchie. Sie führt durch Dörfer und Städte, über Brücken und immer wieder am Wasser entlang in ein Europa, von dem wir im Geschichtsunterricht lernen, aber dass es vielleicht nie so gegeben hat in dieser Einheit und Symbiose von vielen Ethnien. Das aber in vielen Köpfen noch immer in dieser Form lebendig ist, obwohl sich der Balkan im urbanen Bereich nicht von anderen modernen Großstädten Europas unterscheidet.

Dieser Dokumentarfilm war eine langsame Geburt und hat vier Jahre gedauert. Bei der Podiumsdiskussion meinte der Regisseur – ein Film ist nie fertig und es bedarf noch einiger Feinheiten. Ab Herbst 2025 läuft er in den Kinos und ist es unbedingt wert gesehen zu werden.

©: Foto D25 Navigator Film